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Bemannte Raumfahrt 1987
Sojus TM 2 (Mir 2)
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 05.02.87 | 29.12.87 | Juri Romanenko (3) Alexander Lawejkin |
326:11:38 d 174:03:26 d |
Die zweite Stammbesatzung der Raumstation MIR verwendete beim Rendezvous das neue Annäherungssystem KURS, bei dem die Raumstation ihre Orientierung im Raum beibehält, und sich nicht mehr zum Kopplungspartner hin ausrichtet. Die Kopplung erfolgte wiederum nach zweitägigem Flug, der den Raumfahrern mehr Zeit zur Anpassung an die Schwerelosigkeit lässt und eine etwa 50%-ige Treibstoffersparnis bedeutet.
An Bord der Station wurden umfangreiche wissenschaftliche Forschungen vorgenommen. Dazu gehörten geophysikalische Untersuchungen über Mittelasien, den Kaspi-Niederungen und dem Kaukasus, Spektralanalysen, die Produktion neuer Halbleitermaterialien mit der Anlage KORUND 1M (48 verschiedene Experimente) sowie umfangreiche Erdfotografie. Das Ende März gestartete Raumstationsmodul QUANT (11 t Masse und 5,8 m Länge) dockte am 11. April im zweiten Anlauf an die Station an, nachdem der erste Versuch infolge zu gering eingestellter Fehlertoleranzen automatisch abgebrochen worden war. Um einen Fremdkörper aus dem Kopplungsaggregat zu entfernen, verließen die Kosmonauten am gleichen Tag die Station für 3 Stunden und 40 Minuten. Anschließend wurde das Elektrolysesystem zur Sauerstoffversorgung in Betrieb genommen und verstärkt astronomische Forschungen durchgeführt. Weitere Experimente betrafen medizinische Untersuchungen, Forschungen zum Verdampfen von Flüssigkeiten, die Herstellung von Metallegierungen (z. B. aus Kupfer und Silber), das Wachstum höherer Pflanzen in den Terrarien PHYTON und ROST sowie die Montage eines Mehrkanalspektrometers und eines Fotometers für astrophysikalische Experimente. Mit ihnen wurden unter anderem die Supernova SN 1987-A und Neutronensterne unter die Lupe genommen. Zwei weitere Ausstiege galten der Erweiterung der Station durch eine Gitterstruktur (1:53 h) und der Montage zusätzlicher Segmente (24 Quadratmeter) an der dritten Solarzellenfläche (3:15 h). Zusätzlich wurden Wartungsarbeiten durchgeführt und der Nachschub der Transportraumschiffe PROGRESS 27 bis 30 in Empfang genommen. Mit der Gastbesatzung wurden ebenfalls wissenschaftliche Experimente ausgeführt. Alexander Lawejkin kehrte wegen gesundheitlicher Probleme bereits vorzeitig zur Erde zurück und wurde durch Alexander Alexandrow ersetzt.
Nach dem Besatzungswechsel wurden mehr als 1000 astrophysikalische, geophysikalische, technologische, medizinische und biologische Experimente durchgeführt. Dazu gehörte die Untersuchung von Röntgenstrahlungsquellen (u. a. einer neu entdeckten Galaxis), die Messung hochenergetischer Elektronen- und Positronenströme sowie die Untersuchung von Prozessen beim Schmelzen und Kristallisieren verschiedener Materialien mit einem Spiegel-Strahl-Ofen. Studiert wurden ebenso kosmische Einflüsse auf neuartige Konstruktionsmaterialien und Wärmeisolierungen für Raumflugkörper. Außerdem wurde ein Polyakrylamidgel synthetisiert, welches bei der Herstellung biologisch aktiver Substanzen Verwendung findet. Zur Versorgung wurden die Transportraumschiffe PROGRESS 31 bis 33 entladen. Die Station wurde im Dezember an die Nachfolgecrew übergeben. Die alte Stammbesatzung kehrte mit SOJUS TM 3 zur Erde zurück. Nach nahezu 11 Monaten im All hatte Juri Romanenko für knapp ein Jahr den alleinigen Langzeitflugrekord inne.
Sojus TM 3
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 22.07.87 | 30.07.87 | Alexander Viktorenko Alexander P. Alexandrow (2) Muhammed Ahmed Fares |
007:23:05 d 160:07:17 d 007:23:05 d |
An Bord der Raumstation MIR wurden umfangreiche Experimente zur Fernerkundung Syriens durchgeführt. Dazu gehörten insbesondere die Untersuchung möglicher mineralischer Lagerstätten, die Überprüfung künstlicher Wasserreservoirs, das Feststellen der Verschlammung von Abflüssen, die Wasserqualität sowie der Zusatnd von Wäldern und landwirtschaftlichen Nutzflächen (Experiment EUPHRAT). Weitere Untersuchungen betrafen die Blutzirkulation im Körper und das Studium von Prozessen in der oberen Atmosphäre. Alexander Alexandrow wechselte anschließend aufgrund gesundheitlicher Probleme von Alexander Lawejkin in die Stammbesatzung. Viktorenko, Lawejkin und Fares kehrten mit SOJUS TM 2 zur Erde zurück.
Sojus TM 4 (Mir 3)
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 21.12.87 | 21.12.88 | Wladimir Titow (2) Mussa Manarow Anatoli Lewtschenko |
365:22:40 d 365:22:40 d 007:21:58 d |
Die dritte Stammbesatzung der Raumstation MIR (Titow und Manarow) setzte die erfolgreichen Arbeiten ihrer Vorgänger fort, während Lewtschenko bereits nach einwöchigem Flug zur Erde zurückkehrte. Während dieser ersten Flugwoche wurden biologische Experimente mit Teepflanzen, Guppys und Zwiebeln durchgeführt, die Anpassung des Menschen an die Schwerelosigkeit studiert, ein spezielles Bewegungstraining ausgeführt und Eiweißstrukturen für den medizinischen Einsatz hergestellt, darunter ein superreines Antivirenpräparat. Zu den Aufgaben der dritten Stammcrew gehörten desweiteren Experimente zur Erderkundung (Spektralanalysen von Land- und Meeresgebieten zur Ermittlung von Umweltverschmutzungen sowie für landwirtschaftliche Zwecke, darunter das internationale aerokosmische Forschungsprogramm TIENSCHAN-INTERKOSMOS 88), Meteorologie, Atmosphärenforschung, Weltraumtechnologie, Physiologie, Psychologie und Medizin. Großen Raum nahmen auch astronomische Forschungen ein. Mit der Anlage MARIJA wurden mehrere Messserien an Elektronen- und Positronenströmen vorgenommen. Weitere Beobachtungen galten den Sternbildern Löwe und kleiner Bär sowie der großen Magellanschen Wolke mit den Teleskopanlagen des Moduls QUANT. Auf materialwissenschaftlichem Gebiet wurden in erster Linie galvanische Beschichtungen als Korrosionsschutz studiert. Auch gehörte die Züchtung reiner Halbleitereinkristalle zum Arbeitsprogramm. Außerdem wurden Wartungsarbeiten am Wärmeregulierungssystem durchgeführt, mit einem Schwingungsexperiment die Stabilität des Komplexes untersucht und verschiedene Teleskope mehrfach neu justiert und geeicht.
Titow und Manarow arbeiteten dreimal außerhalb der Station. Am 26. Februar wechselten sie ein Segment an einer Solarzellenfläche (4:25 h). Am 30. Juni sollte ein Detektorblock am astrophysikalischen Modul QUANT gewechselt werden. Der Versuch misslang jedoch im ersten Anlauf (5:10 h).
Zur Versorgung der Kosmonauten wurden die Transportraumschiffe PROGRESS 34 bis 37 entladen. Gemeinsame Forschungen wurden mit den Gastbesatzungen der Raumschiffe SOJUS TM 5 und 6 durchgeführt. Ein Mitglied der Besatzung von SOJUS TM 6, der Arzt Waleri Poljakow, wurde im August in die Stammbesatzung integriert. Von diesem Zeitpunkt an wurden die medizinischen Experimente intensiviert. So wurden Untersuchungen des Blutkreislaufes angestellt, Knochen- und Gelenkveränderungen studiert, Blutanalysen vorgenommen, die Muskelentwicklung beobachtet, der Zusammenhang von Stress, Ernährung und Gewicht erforscht und regelmäßig Elektrokardiogramme angefertigt. Ergänzt wurde das Forschungsprogramm durch psychologische Tests sowie Untersuchungen zur Fernerkundung der Erde, Atmosphärenforschung (u. a. Ozongehalt der oberen Atmosphäre) und Astronomie. Dazu zählten Beobachtungen der Supernova 1987-A und des Sternbildes Großer Hund mit dem UV-Teleskop GLASAR, die Messung von Strömen elektrisch geladener Elementarteilchen hoher Energie im erdnahen Raum, der Einsatz des Magnetspektrometers MARIJA zur Sternbeobachtung sowie die Erkundung von Röntgenstrahlungsquellen im Krebsnebel, in der kleinen Magellanschen Wolke und im Sternbild Altar. Außerdem wurde das UVS-Teleskop zur Fotografie astronomischer Objekte im Sternbild Stier genutzt. Mit der Anlage BIRJUSSA konnte der Verlauf physikalisch-chemischer Prozesse unter den Bedingungen der Mikrogravitation untersucht werden. Biochemische Forschungen betrafen die Synthese von Polyacryl-Helium. Technologische Forschung (Experiment WICHR) und landwirtschaftliche Untersuchungen sowie Wartungsarbeiten (u.a. am Wasserregenerierungssystem der Station) ergänzten das umfangreiche Arbeitsprogramm.
Nach Anlieferung neuer Werkzeuge gelang bei einem weiteren Ausstieg auch die Demontage eines Detektorblockes am Röntgenteleskop der Station. Gleichzeitig wurden Vorbereitungen für weitere Montagearbeiten zur Erweiterung der Station getroffen (4:12 h). Eine Materiallieferung erfolgte mit dem automatischen Transportraumschiff PROGRESS 38. Titow und Manarow kehrten mit dem Raumschiff SOJUS TM 6 zur Erde zurück, während Poljakow mit der vierten Stammbesatzung an Bord der Station verblieb. Die Mission hatte bei mehr als 2000 Experimenten vielfältige Forschungsergebnisse erbracht.
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