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Bemannte Raumfahrt 1981
Sojus T 4
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 12.03.81 | 26.05.81 | Wladimir Kowaljonok (3) Wiktor Sawinych |
74:17:37 d |
Mit dem Flug der sechsten Stammbesatzung an Bord der Raumstation SALUT 6 wurde das erfolgreiche Programm der Station abgeschlossen. Neben einer eingehenden Überprüfung der Bordsysteme auf Verschleiß und außergewöhnliche Beanspruchung wurden wissenschaftliche Forschungsarbeiten ausgeführt. Sie betrafen vor allem Erderkundung, Biologie und Materialforschung. Gemeinsam gearbeitet wurde mit den internationalen Besatzungen der Raumschiffe SOJUS 39 und 40.
Sojus 39
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 22.03.81 | 30.03.81 | Wladimir Dshanibekow (2) Shugderdemidyn Gurragtschaa |
07:20:42 d |
Die Arbeiten an Bord der Raumstation SALUT 6 umfassten eine komplexe visuelle und fotografische Erkundung des Territoriums der Mongolei. Erstmals wurde dabei aus drei Flughöhen gleichzeitig beobachtet und gemessen: aus Flugzeugen (Flughöhe um 10 km), aus der Raumstation (300 km) und aus hochfliegenden unbemannten Kosmos-Satelliten (mehrere Tausend Kilometer Flughöhe). Gegenstand der Untersuchungen waren in erster Linie Fragen des Umweltschutzes und der landwirtschaftlichen Nutzung. Weitere Experimente betrafen die Medizin (Biorhythmus, Raumfahrerkrankheit, Einfluss von Pflanzenpräparaten auf den Stoffwechsel der Raumfahrer, Blutkreislauf) und Materialforschung (Diffusion von Blei und Zinn, Halbleiter aus Vanadiumdioxid, Metallschmelzen unter Verwendung von Kupfer, Molybden und Kupfersulfat).
Columbia (STS 1)
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 12.04.81 | 14.04.81 | John Young (5) Robert Crippen |
02:06:21 d |
Beim ersten Flug eines Spaceshuttle standen technische
Erprobungen im Vordergrund. Für Notfälle war die Columbia mit Schleudersitzen
ausgestattet. Getestet wurden vor allem die Navigations- und Steuerungseinrichtungen sowie
die Mechanismen der Nutzlastbucht. Beim Start hatten sich 16 Hitzeschutzkacheln gelöst,
was sich aber bei der Landung nicht als kritisch erwies. Die Columbia landete auf einer
Piste auf einem ausgetrockneten Salzsee in Erdwards. Ursprünglich sollte der Ersteinsatz
des Space Shuttle bereits Ende der siebziger Jahre erfolgen, musste aber aufgrund
technischer Schwierigkeiten, insbesondere mit den Hitzeschutzkacheln und den
Feststoffraketen mehrfach verschoben werden.
Das Projekt Space Shuttle
wurde bereits 1968 initiiert, zunächst mit wissenschaftlichen Studien. 1972 fiel die
Entscheidung zur Entwicklung eines solchen Systems. Der geplante Entwicklungszeitraum
betrug 5 Jahre. Das Space Transportation System STS besteht aus drei Grundkomponenten:
zwei Feststoffraketen als Starthilfe, einem großen Tank für Treibstoff und Oxydator des
Shuttle und dem Orbiter selbst. Dieser hat die Form eines Flugzeuges mit Deltaflügeln,
eine Länge von 37,24 m, eine Flügelspannweite von 23,79 m und eine Gesamthöhe von 17,27
m (mit Fahrwerk). Der Rumpfdurchmesser beträgt 5,20 m. Die Leermasse des Orbiters liegt
bei etwa 68 t, als Obergrenze für die Nutzlast beim Start werden 29,5 t angegeben,
aufgrund der zu hohen Leermasse aber nicht ganz erreicht (ca. 25 t). Die Ladebucht des
Shuttle hat eine Länge von 18,29 m, einen Durchmesser von 4,57 m und verfügt über
Halte- und Versorgungspunkte für Nutzlasten. Außerdem kann ein computerunterstützter
Manipulatorarm (15,24 m) montiert werden. Für kleinere Nutzlasten werden isolierte
Spezialtonnen mitgeführt. Die Nutzlastbucht wird von zwei schalenartigen Abdeckungen
verschlossen, die in der Umlaufbahn geöffnet werden. Auf ihrer Innenseite befindet sich
ein thermisches Regulationssystem, über das überschüssige Wärme in den Weltraum
abgestrahlt wird. Die Druckkabine wird in drei Sektionen eingeteilt: das Oberdeck, in dem
sich die Steuerungs- und Kommandozentrale befindet, das Mitteldeck als Arbeits- und
Wohnraum sowie das Gerätedeck mit allen notwendigen Versorgungseinrichtungen. Insgesamt
stehen den 2 bis 8 Astronauten etwa 73 Kubikmeter Raum zur Verfügung. Die
Energieversorgung geschieht über 3 Brennstoffzellen, die mit Wasserstoff und Sauerstoff
betrieben werden. Ihre Kapazität begrenzt die Missionsdauer zunächst auf etwa 10 Tage.
Eine in der Nutzlastbucht montierbare Palette kann die Aufenthaltsdauer der Raumfähre
aber auf 18 Tage setigern. Die Steuerung der meisten Funktionen wird von mehreren
Computern übernommen, die größtenteils redundant sind. Daneben existiert eine
Handsteuerung, die sowohl vom Pilotensitz als auch von der Rückwand des Kommandoraumes
aus bedient werden kann. Dazu befinden sich auch mehrere Fenster nach oben bzw. zur
Ladebucht hin.
Die drei Haupttriebwerke der Raumfähre arbeiten mit 103,1 t Flüssigwasserstoff (1522 Kubikmeter) und 621,1 t Flüssigsauerstoff (552 Kubikmeter) aus dem Haupttank und entwickeln am Boden einen Startschub von zusammen 5003 kN, der sich im Vakuum auf 6164 kN erhöht. Der Brennkammerdruck beträgt 20,9 MPa (201 Bar), die Brenndauer 480 - 520 s. Danach wird der 47 Meter lange und maximal 8,38 Meter starke zylindrische Außentank (35,4 t) abgeworfen. Er verglüht in den dichteren Schichten der Erdatmosphäre. In den Orbit gelangt die Raumfähre mit Hilfe ihrer beiden Manövriertriebwerke. Diese haben einen Schub von je 26,7 kN und verfügen über einen maximalen Brennstoffvorrat von jeweils 4,1 t Monomethylhydrazin nebst 6,7 t Stickstofftetroxid als Oxydator (zusammen maximal 21,7 t). Zur Feinnavigation und Lageregelung gibt es außerdem 44 weitere Triebwerke, die mit der gleichen Treibstoffkombination arbeiten (3,35 t maximal). Meist wird aber weniger Treibstoff mitgeführt.
Zum Start des Gesamtsystems werden zwei 45,46 m lange und 3,71 m durchmessende, zylindrische Feststoffbooster verwendet. Ihre Treibstoffmasse liegt bei jeweils 502,1 t, die Gesamtmasse bei 589,7 t. Als Brennstoff wird Ammoniumperchlorat (69,8%) verwendet. Zusätze bestehen aus Aluminium (16,0%), Eisenoxid als Katalysator (0,2%), Kunststoff (12,0%) und Epoxydharz (2,0%) als Bindemittel. Jeder Booster entwickelt einen Startschub von etwa 12900 kN. Nach etwa 50 Sekunden Brenndauer geht der Schub auf ca. 65% des Startwertes zurück. Nach 120 - 125 s sind die Booster ausgebrannt und werden in einer Höhe von knapp 46 Kilometern abgesprengt. Kleine Triebwerke an der Außenseite sorgen dafür, dass die Booster vom Haupttank weg gedrückt werden.
Bei der Rückkehr werden die Manövriertriebwerke von Computern gesteuert. Die Abbremsung von Abstiegsgeschwindigkeit auf Landegeschwindigkeit geschieht über die Luftreibung. Die Raumfähre wird so ausgerichtet, dass ihre Unterseite der Luft entgegengestellt wird (etwa 40° Anstellwinkel). Dabei erwärmen sich die eigens dafür entwickelten Hitzeschutzkacheln aus Graphit-Siliziumkarbid teilweise bis auf mehr als 1000°C. Die etwa 30000 Kacheln sind an der gesamten Unterseite, an den Flügeln, um die Kabine herum und am Heck aufgeklebt. Auf der Oberseite sorgen Matten auf Siliziumbasis für die notwendige Isolation. Der Hitzeschutz besonders beanspruchter Teile (bis 1600 °C), die Flügelvorderkanten und die Nase, besteht aus verstärkten Kohlefaserteilen. Die Landung geschieht antriebslos und wird in der Endphase, bei Unterschallgeschwindigkeit, manuell gesteuert, die Landegeschwindigkeit liegt bei etwa 350 Stundenkilometern. Der Anflugwinkel liegt bei etwa 20° (gegenüber 3° normalem Landewinkel bei Verkehrsflugzeugen). Die Steuerung ist nur mit den kombinierten Höhen-/Querrudern an den Tragflächen und mit dem Seitenleitwerk der Heckflosse möglich.
Sojus 40
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 14.05.81 | 22.05.81 | Leonid Popow (2) Dimitru Prunariu |
07:20:42 d |
Gemeinsam mit den Kosmonauten der Stammbesatzung untersuchten Popow und Prunariu an Bord der Raumstation SALUT 6 den Einfluss der Schwerelosigkeit auf den Vestibularapparat, maßen die Kontraktionsfähigkeit der Herzmuskulatur und nahmen Tests zur Schärfe und Tiefe der optischen Wahrnehmung vor. Zusätzlich erforschten sie Besonderheiten der Strömung in Flüssigkeiten, untersuchten die Wirkung von Interferon bei Leukozyten und maßen den Strahlungsdruck der Sonne. Erderkundung und materialwissenschaftliche Versuche komplettierten das Arbeitsprogramm der Raumfahrer.
Columbia (STS 2)
| Start | Landung | Besatzung | Flugdauer |
| 12.11.81 | 14.11.81 | Joe Engle Richard Truly |
02:06:13 d |
Die beiden
Raumfahrtneulinge erprobten erstmals den 15 Meter langen Manipulatorarm, der in Kanada
entwickelt wurde. Eingesetzt wurden dabei das Shuttle Imaging Radar (SIR-A) und die
Plattform OSTA 1 (Office of Space and Terrestrial Applications), mit der Radar- und
fotografische Bilder der Erdoberfläche aufgenommen wurden. Dabei entdeckte man
ausgetrocknete Flußbetten in der afrikanischen Wüste Sahara. Untersucht wurden außerdem
Lavaflussbecken, Meteoritenkrater, Verwerfungen und Erdfalten. Mit einer Infrarotkamera
wurde nach Lagerstätten bestimmter Bodenschätze gesucht und Atmosphärenforschung
betrieben. Zur Meeresforschung befand sich außerdem eine Multispektralkamera an Bord des
Shuttle. Desweiteren wurde ein biologisches Experiment zur Ermittlung der optimalen
Bodenfeuchtigkeit für Zwergsamenblumen im Mitteldeck durchgeführt. Die Mission musste
allerdings wegen des Ausfalls einer der drei Brennstoffzellen zur Energieversorgung
vorzeitig abgebrochen werden. Die Landung erfolgte in Edwards.
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