International Space Station
Aktuelle Planung (Revision F, August 2000)

 

1993 begannen die Planungen zum Aufbau und Betrieb einer internationalen Raumstation. Gleichzeitig wurden mehrere gemeinsame Raumflüge zwischen Russland und den USA vereinbart. Von 1995 bis 1998 koppelte insgesamt neun Mal ein US-Shuttle an die russische Raumstation MIR. Sieben Langzeitflüge (115 bis 188 Tage) wurden durchgeführt, während dieser nun auch die USA wertvolle Erfahrungen zum Dauerbetrieb einer größeren Raumstation gewinnen konnten. Insgesamt hielten sich unter insgesamt 103 Raumfahrern 45 US-Astronauten zeitweilig an Bord der Station MIR auf, einige mehrfach.

Nach Abschluss dieser ersten Phase wurde der Aufbau der Internationalen Raumstation in Angriff genommen. Ursprünglich sollte dieser bereits Mitte 1997 beginnen. Technische und vor allem finanzielle Schwierigkeiten führten aber immer wieder zu Verschiebungen. Im November und Dezember 1998 wurden endlich die ersten beiden Elemente, SARJA und UNITY, in einen Erdorbit gebracht und verbunden. Nach einer längeren Pause, in der vor allem an den Außeneinrichtungen der Station gearbeitet wurde, gelangte das erste Wohn- und Arbeitsmodul SWESDA im Juli 2000 in eine Umlaufbahn und wurde zwei Wochen nach dem Start planmäßig mit der Station verbunden. Ein PROGRESS-Transporter brachte Anfang August 2000 vor allem Treibstoff. Außerdem lieferte die Atlantis im September wichtige Ausrüstungen und bereitete die Station auf die Ankunft der ersten Stammbesatzung vor. Bei einem weiteren Shuttle-Flug wurden im Oktober das Gitterstrukturelement Z1 mit Gyroskopen zur präzisen Lageregelung und ein Kommunikationssystem (Ku-Band-Antenne) auf UNITY montiert. Anfang November 2000 zog die erste dreiköpfige Stammbesatzung ein. Ihre Hauptaufgaben bestand in der Inbetriebnahme der meisten Anlagen, der Vervollständigung der Ausrüstung und der Unterstützung der Außenbordarbeiten. Anfang Dezember 2000 wurde das Gitterelement P6 mit Solarzellen und Radiatoren auf Z1 installiert. Im Februar 2001 folgte das erste Forschungsmodul DESTINY. Es übernahm auch viele Steuerungsaufgaben, so die Lageregelung der Station, einen großen Teil der Kommunikation und umfasst ebenso Einrichtungen zur Lebenserhaltung (Kühlsystem, Luftaufbereitung und -zirkulation). Im April 2001 wurde das wichtigste Teil des Manipulatorsystems der Station, CANADARM2,  und im Juli die amerikanische Ausstiegsschleuse QUEST zur Station gebracht. Mitte September 2001 folgte das bisher letzte Modul PIRS, eine Kopplungs- und Ausstiegseinheit für den russischen Teil der ISS. Im April 2002 begann mit dem zentralen Element S0 (Starboard Zero) der Aufbau der zukünftig 108 Meter langen Hauptgitterstruktur. Im Oktober folgte S1 (Starboard One) und im November P1 (Portside One). Außerdem wurden mehrere Schienenfahrzeuge montiert, die Transportaufgaben auf der Gitterstruktur erleichtern sollen. Ausrüstungen,   Versorgungsgüter, Treibstoff und Atemgase wurden regelmäßig mit PROGRESS-Transportern und Logistikmodulen zur ISS gebracht.

Nach dem Columbia-Unfall wurden diese Flüge eingestellt. Mit der neuen Weltrauminitiative der US-Regierung wurde praktisch das Ende der Shuttle-Ära beschlossen. Für die ISS bleibt aber zumindest bis 2015 ein gewisser Etat erhalten. Neue Planungen für den Abschluss der ISS-Aufbauarbeiten sehen maximal 19 Flüge in den Jahren 2006 bis 2009 vor. Falls der zweite Testflug nach der Columbia-Tragödie erfolgreich verläuft, soll noch im gleichen Jahr die Backbordseite der Gitterstruktur fertig montiert werden: P3/4 - STS 115 im Juli 2006 und P5 - STS 116 im Oktober 2006. Bis Mitte 2007 soll dann auch die Steuerbordseite fertig werden: S3/4 - STS 117 im Dezember 2006, S5 - STS 118 im März 2007 und S6 - STS 119 im Mai 2007. Den Abschluss des US-Teils bildet das Andocken von NODE 2 im Juni 2007 (STS 120).

Das europäische Labor COLUMBUS und der japanische Teil der ISS, bestehend aus Experimentiermodul, Logistikmodul und Außenplattform folgen vermutlich 2008. Verzichtet wird auf NODE 3 sowie die Zentrifuge (Centrifuge Accomodations Module). Die NASA sieht sich außerdem nicht in der Lage, das russische Energiemodul zur Station zu befördern. Hierfür wird man wohl eine Entschädigung zahlen.

Der russische Teil der Station soll 2007 um ein Experimentier- und Logistikmodul (MLM) ergänzt werden. Ihm folgen wahrscheinlich 2009 das Energiemodul (NEM) und 2011 ein großes Forschungsmodul (IM). Dafür verzichtet man auf die zunächst geplanten kleineren Forschungsmodule.

Links vorn die Querachse:

Columbus Orbital Facility (hinten), Verbindungsknoten 2 (Mitte) und japanischer Teil (Forschungsmodul, darauf Logistikeinheit, davor Außenplattform mit Manipulator).

Im Hintergrund sieht man einen Teil der zentralen Gitterstruktur mit dem kanadischen Manipulator.

Insgesamt soll die Station ISS im Endausbau über 6 Forschungsmodule (DESTINY, Japanese Experiment Module, Russian Research Module 1 + 2, Columbus Orbital Facility), 1 Steuer- und Wohnmodul sowie 5 Lager-, Service- und Kopplungsmodule verfügen. Mehrere Manipulatoren, 18 Solarzelleneinheiten, diverse Radiatoren und Experimentierplattformen sind zumeist an teilweise über 100 Meter langen Gitterstrukturen aber auch an einigen Modulen befestigt. Die Station wird eine Masse von etwa 500 Tonnen aufweisen und mit Abstand das größte von Menschen geschaffene Objekt im Weltraum darstellen. Der Plan zum Aufbau der Station wurde zuletzt im Oktober 2005 revidiert.

 

Letzte Aktualisierung: 04.11.2005.

 

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Alle Bilder (c) NASA.

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